Auswärts Essen - So gelingt's auch in der Diät

Wir kennen sie alle, diese Situation, in der wir mit Versuchungen konfrontiert werden. Eigentlich bin ich ja auf Diät, eigentlich

müssen noch ein paar Kilos runter, eigentlich möchte ich mich gesünder

ernähren. Klappt auch alles ganz prima, solange man in den eigenen vier Wänden kocht und isst. Und dann kommen da die Freunde und laden zum Essen bei dem schicken neuen Italiener ein oder die Familie ist risikofreudig und möchte unbedingt mal ganz exotisch Indisch essen gehen.

 

So, nun stehen wir da mit der großen Frage: was tun? Eine kreative Ausrede auftischen, um nicht mit zu müssen? Krankheit vortäuschen? Oder vielleicht doch mit gehen und ausnahmsweise mal den Vorsatz, gesund zu essen, für einen Abend ignorieren, nur um sich am nächsten Tag mit dem schlechten Gewissen und dem neu erwachten Schweinehund

herum zu schlagen?

 

Keine Panik! Mit ein klein wenig Vorbereitung ergibt sich eine ganz neue Alternative. Ausgehen, gutes Essen ohne schlechtes Gewissen genießen und Spaß haben. Wer Angst hat, sich bei der Konfrontation mit mehr

oder minder üppigen Speisekarten nicht kontrollieren zu können, hat eine ganz einfach Methode, der Völlerei trotz Versuchung relativ leicht zu entgehen.

 

In den meisten Städten gibt es mittlerweile die Möglichkeit, Speisekarten online einzusehen. Wer auf dem Land wohnt, hat vermutlich von den meisten Restaurants und auch Lieferdiensten eine Karte daheim. Also auf geht’s! Karte studieren und eine genussversprechende, doch figurfreundliche Variante wählen und schon ist das Dilemma umgangen.

 

Ja aber ich kann mich im Restaurant immer noch anders entscheiden und doch richtig zuschlagen?! Natürlich, doch die Wahrscheinlichkeit, dass das passiert, ist um ein Vielfaches geringer, als wenn man völlig planlos und unvorbereitet in die Karte schaut.

 

Natürlich kann ich die Karte studieren und denken: Hach, jetzt so eine Lasagne und vorweg eine Bruscetta, das würde ich jetzt nehmen… Und dann schaltet sich das Gewissen ein. Eigentlich hatte ich mich doch Zuhause für den großen Salat mit Meeresfrüchten entschieden… Und nun? Eigentlich möchte ich wirklich gern die Lasagne essen, aber eigentlich möchte ich auch wirklich gerne noch ein paar Kilo abnehmen.

 

Und so werdet ihr jedes Mal, wenn ihr auch nur daran denkt, die Lasagne oder die Spaghetti Carbonara oder die große Pizza mit extra Käse und Salami zu bestellen automatisch an den gesunden, knackig-bunten Salat mit Gambas denken. Egal wie sehr ihr euch bemüht, er wird nicht einfach so verschwinden. Und so entscheidet ihr euch am Ende für die gesündere Variante. Glaubt mir, es funktioniert.

 

Klar ist es schwer und manch einer wird es sicher mit viel gutem Zureden doch noch schaffen, das Gewissen zum Schweigen zu bringen, doch spätestens der kräftige Schock am nächsten Morgen auf der Waage wird dafür sorgen, dass beim nächsten Mal eben doch der

Salat mit Meeresfrüchten oder das gegrillte Hähnchen mit buntem Gemüse auf denTeller kommt.

 

Es sei an dieser Stelle aber auch gesagt, dass kompletter Verzicht selten glücklich macht. Es ist problemlos möglich, sowohl das Gewissen,

als auch die innere Lust auf vermeintlich Schlechtes (für die Figur) zu

befriedigen. Ein Kompromiss sozusagen. So könnte zur Hauptspeise tatsächlich Gemüse und Fisch, Hähnchen, etc. auf den Teller kommen.

 

Dazu kann man sich dann aber durchaus ein (!) Glas des Lieblingsweins oder als Nachtisch einen kleinen Eisbecher mit Früchten bestellen. Dies ist eine Möglichkeit, alle Bereiche des Ernährungsbewusstseins und des Genussbedürfnisses zu bedienen, ohne sich dabei in absolute Völlerei zu stürzen.

 

So sieht zum Beispiel meine größte Herausforderung aus: zum

Geburtstag meiner besseren Hälfte sind wir alljährlich im Harz. Hier gibt es ein schnuckeliges Restaurant namens Harzer Schnitzelkönig. Für mich, die ich als Dorfkind aufgewachsen bin, gibt es nichts Besseres als Schnitzel mit Pommes und Majo. Eine schöne, sahnige Soße darf natürlich auch nicht fehlen! Nun also das typische Dilemma. Kilos sollten bei

mir noch runter, aber ich würde sooooo gerne ein Jägerschnitzel mit Kroketten essen. Ich überlege mir nun also: was will ich mehr? Das Schnitzel oder die 10 Kilo loswerden?

 

Klarer Fall! Gewicht geht vor und rational gesehen weiß ich ja auch sehr wohl, dass auch gesundes Essen, wenn es gut zubereitet ist, hervorragend schmecken kann und durchaus satt macht. Also browse ich los und suche mir im Internet die Speisekarte. Wehmütig verzehre ich in Gedanken jedes einzelne Schnitzel auf der Karte, denn natürlich ist das genau die Sektion, die meine Augen wie magisch auf sich zieht. Nachdem ich also imaginär unmenschlich viel gesabbert habe, studiere ich den Rest der Karte und stelle völlig erstaunt fest, dass die Karte eigentlich als erstes Vorspeisen und direkt danach Hauptgangsalate listet. Verrückt.

 

In einem Schnitzelrestaurant steht in der Karte zuerst Salat als Hauptgang und dann das namensgebende Gericht? Das macht mich stutzig und meine Aufmerksamkeit fliegt automatisch zu dieser Spalte, der ich ja eh meine volle Aufmerksamkeit widmen wollte, bevor das Schnitzel mich geködert hatte… Bereits bei der zweiten Salatvariation ist das Schnitzel nur noch ein dunkler Gedanke im Hintergrund. Ich schwanke, liebäugele zwischen Cesar Salad und Fresh Royal… beide klingen toll, was nehme ich nur?

 

Später im Restaurant wandern meine Augen wieder automatisch

zu diesen tollen Schnitzelgerichten. Vor meinem inneren Auge sehe ich das Gericht bereits vor mir. Und dann kommt der Fresh Royal und schubst das Schnitzel weg. Huch. Da war doch noch was. Ich lese mir nochmals die Beschreibung durch. Hmm… der Royal klingt schon toll… aber das Schnitzel auch. Ich habe sooo Lust, mal aus diesem strikten gesunden Trott auszubrechen! Aber das Schnitzel wird sich am nächsten Morgen mit der Waage gegen mich verschwören, während der Salat im Hinterkopf hämisch lacht.

 

Gedankenverloren scannen meine Augen weiter die Karte, ohne wirklich etwas wahrzunehmen. Mein Gehirn ist bereits anderweitig beschäftigt und mehr als überfordert. Und dann sehe ich die Lösung zu meinem Problem. Eis. Geboten wird eine XXL Kugel Eis ohne alles oder mit Früchten. Ich lächele und muss keinen weiteren Gedanken an die Qual der Wahl verschwenden. Ich bestelle Den Fresh Royal und gönne mir im

Anschluss eine schöne Kugel Walnusseis. Mmmh, lecker!

 

Ihr seht, es geht nicht darum, euch alles zu verbieten. Vielmehr

geht es beim auswärts Essen ebenso wie beim Essen daheim um die bewusste Wahl der Speise. Wenn mein Mann mir daheim ein Schnitzel und eine Gemüsepfanne zur Auswahl gibt, muss ich auch nicht lange darüber nachdenken und genauso ist es im Prinzip im Restaurant. Dort fällt uns die Wahl nur aufgrund der ungewohnt großen Auswahl schwer, uns an unsere selbst gewählten Vorgaben zu halten.

 

Darum gilt als mentale Hilfe: Verbote bringen nichts. Wenn ich mir sage, dass ich etwas haben will, es aber nicht darf, werde ich es umso mehr wollen. Wie wäre es stattdessen hiermit: Ich kann es haben, will es aber nicht.

 

Danach werdet ihr über den Gedanken, überhaupt an die Bestellung des Schnitzels gedacht zu haben, nur noch lächeln und beim Kellner freudig strahlend den Salat, das Gemüse oder die Hähnchenbrust bestellen.


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